Der Ehrenkodex für Trainerinnen und Trainer im deutschen
Sport basiert auf dem Prinzip Verantwortung für das
Wohl der Sportlerinnen und Sportler. Er ist ein selbstauferlegter
Kanon von Pflichten und stellt ein in Worte gefaßtes,
traditionell gewachsenes, sittlich angestrebtes und
gewissensbestimmtes Standesethos dar. Er ist die immer
neu zu prüfende moralische Grundlage für ein eigenbestimmtes
berufliches Selbstverständnis im Rahmen unseres freiheitlich-demokratischen
Gemeinwesens unter strenger Beachtung der Würde des
Menschen und der Bürgerrechte. Er ist ein wesentlicher
Bestandteil der Entwicklung einer Berufskultur, die
sich der menschlichen Leistung und der Prämisse von
Humanität verpflichtet fühlt.
Der
Ehrenkodex hat normen- und wertbegründete Orientierungen
für die Gesinnung und das Handeln im Bereich des Trainings
und Wettkampfes zum Inhalt. Diese Orientierungen sind
im Grundsatz an einem "humanen Leistungssport" sowie
am Wohl von Kindern und Jugendlichen, an der "mündigen
Athletin" und am "mündigen Athleten" ausgerichtet.
Die damit verbundenen Verpflichtungen sind von der
Überzeugung getragen, daß Leistung und Humanität,
Sieg und Moral, Erfolg und persönliches Glück nicht
nur miteinander zu vereinbaren sind, sondern sich
auch gegenseitig bedingen. Dies bedeutet:
Die
durch Training zu erreichenden Leistungssteigerungen
dürfen nur durch humane Maßnahmen verwirklicht werden.
Die
Erfolge im Wettkampf sind unter Befolgung der jeweils
geltenden Regeln und unter Beachtung des Fairneß-Gebots
anzustreben. Dabei gilt:
Die
Würde des Menschen hat in Training und Wettkampf immer
Vorrang!
Vor
diesem Hintergrund kommt der pädagogischen Verantwortung
der Trainerinnen und Trainer für die ihnen anvertrauten
Sportlerinnen und Sportler, insbesondere für die Kinder
und Jugendlichen im Sinne einer Erziehung zur Leistung
ganz besondere Bedeutung zu.
Der
Ehrenkodex und die mit ihm gegebenen Pflichten und
Verantwortungen betreffen nicht nur den Umgang der
Trainerinnen und Trainer mit den betreffenden Sportlerinnen
und Sportlern, sondern auch den gegenseitigen Umgang
zwischen ihnen und den fürsorgepflichtigen Eltern,
den anderen in das Sportgeschehen eingebundenen Personen
wie Ärztinnen und Ärzten, ehren- und hauptamtlichen
Funktionärinnen und Funktionären, Kolleginnen und
Kollegen, Zuschauerinnen und Zuschauern sowie Vertreterinnen
und Vertretern der Medien, Wirtschaft und Politik.
Trainerinnen
und Trainer können ihre Pflichten nur dann sinnvoll
erfüllen, wenn alle beteiligten Gruppen die Prinzipien
des Ehrenkodexes akzeptieren.
Aus
diesem Grund dient der Ehrenkodex nicht nur der persönlichen
Sicherheit, dem persönlichen Schutz und den sozialen
Anforderungen der mit dem Training befaßten Personen.
Der Ehrenkodex geht von der Selbstbestimmung des Berufsstandes
der Trainerinnen und Trainer im deutschen Sport aus.
Er ist wesentlicher Bestandteil der Entwicklung und
Festigung einer Berufskultur, die sich der menschlichen
Leistung unter der Vorherrschaft der Humanität verpflichtet
fühlt. Er leistet deshalb auch einen wichtigen Beitrag
zur Entwicklung eines positiven Selbstbildes von Trainerinnen
und Trainern.
Die
Verantwortlichen im deutschen Sport verpflichten sich
ihrerseits, den Ehrenkodex im Bedarfsfalle in enger
Zusammenarbeit mit den Trainerinnen und Trainern weiterzuentwickeln
und die Rahmenbedingungen für die praxisnahe Umsetzung
dieser ethisch-moralischen Vorgaben zu schaffen. Der
Deutsche Sportbund und seine Mitgliedsorganisationen
stützen und schützen ihre Trainerinnen und Trainer
(sowie alle anderen verantwortlichen Betreuerinnen
und Betreuer von Sportlerinnen und Sportlern) bei
der Einhaltung dieses Ehrenkodexes.
II.
Ehrenkodex
- Trainerinnen
und Trainer respektieren die Würde der Sportlerinnen
und Sportler, die unabhängig von Alter, Geschlecht,
sozialer und ethnischer Herkunft, Weltanschauung,
Religion, politischer Überzeugung oder wirtschaftlicher
Stellung gleich und fair behandelt werden.
- Trainerinnen
und Trainer bemühen sich, die Anforderungen des
Sports in Training und Wettkampf mit den Belastungen
des sozialen Umfeldes, insbesondere von Familie,
Schule, Ausbildung und Beruf, in Einklang zu bringen.
- Trainerinnen
und Trainer bemühen sich um ein pädagogisch verantwortliches
Handeln:
- Sie
geben an die zu betreuenden Sportlerinnen und
Sportler alle wichtigen Informationen zur Entwicklung
und Optimierung ihrer Leistung weiter.
- Sie
beziehen die Sportlerinnen und Sportler in Entscheidungen
ein, die diese persönlich betreffen.
- Sie
berücksichtigen bei Minderjährigen immer auch
die Interessen der Erziehungsberechtigten.
- Sie
fördern die Selbstbestimmung der ihnen anvertrauten
Sportlerinnen und Sportler.
- Sie
bemühen sich bei Konflikten um offene, gerechte
und humane Lösungen.
- Sie
wenden keine Gewalt gegenüber den ihnen anvertrauten
Athletinnen und Athleten an, insbesondere keine
sexuelle Gewalt.
- Sie
erziehen zur Eigenverantwortlichkeit und zur
Selbständigkeit der Sportlerinnen und Sportler,
auch im Hinblick auf deren späteres Leben.
- Trainerinnen
und Trainer erziehen ihre Sportlerinnen und Sportler
darüber hinaus zu
- sozialem
Verhalten in der Trainingsgemeinschaft,
- zu
fairem Verhalten innerhalb und außerhalb des
Wettkampfes und zum nötigen Respekt gegenüber
allen anderen in das Leistungssportgeschehen
eingebundenen Personen und Tieren,
- zum
verantwortlichen Umgang mit der Natur und der
Mitwelt.
- Das
Interesse der Athletinnen und Athleten, ihre Gesundheit,
ihr Wohlbefinden und ihr Glück stehen über den Interessen
und den Erfolgszielen der Trainerinnen und Trainer
sowie der Sportorganisationen. Alle Trainingsmaßnahmen
sollen dem Alter, der Erfahrung sowie dem aktuellen
physischen und psychischen Zustand der Sportlerinnen
und Sportler entsprechen.
- Trainerinnen
und Trainer verpflichten sich, den Gebrauch verbotener
Mittel (Doping) zu unterbinden und Suchtgefahren
(Drogen-, Nikotin- und Alkoholmißbrauch) vorzubeugen.
Sie werden durch gezielte Aufklärung und Wahrnehmung
ihrer Vorbildfunktion negativen Auswüchsen entgegenwirken.
beschlossen
vom DSB-Hauptausschuß am 13. Dezember 1997 in Frankfurt/Main
©
Deutscher Sportbund,
Bundesausschuß für Ausbildung und Weiterbildung